Der ideale Kunde: woke, queer, CO2-neutral

Der ideale Kunde: woke, queer, CO2-neutral

22.09.2022 – Reitschuster.de

Fake,Fruit.,Manipulation,With,Banana,And,Cucumber

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Spätestens seit Vance Packards populärwissenschaftlichem Dauerbrenner „Die geheimen Verführer“ (1957 erschienen; Originaltitel: „The Hidden Persuaders“) wissen wir: Ein Kunde kauft ein Produkt oft nicht nur deshalb, weil er es tatsächlich braucht, sondern weil er sich mit dem betreffenden Kauf vor sich selbst oder vor anderen adeln und sich gar vor sich selbst oder vor anderen ein bestimmtes Image zulegen will.

Der Kunde kauft schließlich nicht nur ein bestimmtes Getränk, sondern eine damit verbundene Männlichkeit, Weiblichkeit, Sportlichkeit, Attraktivität, Vitalität, sexy Ausstrahlung. Als Zigarettenwerbung wenigstens noch teilweise erlaubt war, also bis 1. Januar 2022, konnte der Kunde mit dem Erwerb einer Packung zugleich Abenteuerlust und Draufgängertum signalisieren.

Umgekehrt nutzen Werbe- und Marketingstrategen sehr clever und gewinnbringend die Hintertürchen zum Unterbewusstsein eines potentiellen Kunden samt seinen verborgenen oder auch nur halbbewussten Wünschen, Sorgen oder Ängsten. Suggestiv (also von unten einschleichend), subliminal (unterhalb der Wahrnehmungsschwelle) und „subkutan“ (unter der Haut) geschieht dies. Auf der Verpackung finden sich deshalb nicht nur die vorgeschriebenen Informationen (Bestandteile, Haltbarkeit usw.), nein, das ganze D’rum-Herum ist mehr und mehr impertinent angelegt auf „wokeness“. Mit anderen Worten: Das „Framing“ (Umrahmen) eines Produkts heißt „Wokeness“.

Pink und Diversity Washing

Die Kette REWE macht auf „diversity“ und lockt nicht für einzelne Produkte, sondern quasi für das ganze Sortiment mit der Regenbogenflagge. Nicht anders oder zumindest phasenweise und bevorzugt im „Pride Month“ um den Christopher Street Day (CSD) herum sodann die Brillen-Kette Apollo, VW, Lieferando, Booking, die Bahn, Allianz, die Bahn, McDonalds, Microsoft, H&M, Amazon, Banken und viele andere mehr.

Mercedes, BMW und Audi werben für ihre teuersten Fahrzeugtypen mit PoC-Models (PoC = People of Color). Möbelhäuser mit Regenbogenfamilien samt divers-farbigen Mitgliedern. Waschmittelhersteller mit Schauspielern und Sängern, die sich als „pride“ outen („pride“ als Stolz darauf, die Heterosexualität überwunden zu haben). „Pink Washing“ nennt man das durchaus kritisch, auch „Diversity Washing“. Von „Pink Capitalism“ ist sogar in Pride-Kreisen die Rede, weil man annehmen darf, dass das “Pink Washing“ eine Verkaufsmasche ist, um den eigenen Umsatz bzw. Gewinn zu steigern. Stimmt, man prostituiert sich mit einer Haltung, die sich geschäftlich rechnen könnte.

Vor allem aber signalisieren Verkäufer und Käufer Tugendhaftigkeit gar Tugendprahlerei. In den USA wurde dafür der Begriff „Virtue Signaling“ geprägt. Man stellt bestimmte „woke“, politisch korrekte Werte zur Schau. Gleichzeitig vermeidet man Begriffe und Namen wie „Mohr“, „Zigeunersoße“, „Onkel Ben’s Reis“…

Green Washing

Besonders ausgeprägt ist das grüne „Framing“, wenn es um den Verkauf und Gebrauch von Produkten geht, die Rohstoffe und Energie benötigen oder einsparen können, die langlebiger sind und angeblich leichter entsorgt werden können. Ein „grünes“ Label macht sich da gut. Der Nutzer kauft sich grün „gewaschene“ Produkte gern, weil er damit eine Art Ablasshandel betreibt. Er zahlt nämlich damit eine Strafe dafür, dass man ja im Jahr zweimal in den Urlaub fliegt, dass man einen SUV fährt, dass man noch fossil heizt, dass man einen Swimmingpool im Garten hat, dass man einen Zierrasen hat, dass die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren, sondern mit Mamas Transporthelikopter, dass man noch immer nicht vegan ist/isst …. Und schon ist man mit sich im Reinen, kann wieder ein ruhiges Gewissen haben, sich als „in“ und als Mitglied der „woken“ Gemeinde fühlen und vor allem nach außen für ein tugendhaftes Narrativ stehen.

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

Bild: Tobias Arhelger/Shutterstock

Der ideale Kunde: woke, queer, CO2-neutral

22.09.2022 – Reitschuster.de

Fake,Fruit.,Manipulation,With,Banana,And,Cucumber

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

Spätestens seit Vance Packards populärwissenschaftlichem Dauerbrenner „Die geheimen Verführer“ (1957 erschienen; Originaltitel: „The Hidden Persuaders“) wissen wir: Ein Kunde kauft ein Produkt oft nicht nur deshalb, weil er es tatsächlich braucht, sondern weil er sich mit dem betreffenden Kauf vor sich selbst oder vor anderen adeln und sich gar vor sich selbst oder vor anderen ein bestimmtes Image zulegen will.

Der Kunde kauft schließlich nicht nur ein bestimmtes Getränk, sondern eine damit verbundene Männlichkeit, Weiblichkeit, Sportlichkeit, Attraktivität, Vitalität, sexy Ausstrahlung. Als Zigarettenwerbung wenigstens noch teilweise erlaubt war, also bis 1. Januar 2022, konnte der Kunde mit dem Erwerb einer Packung zugleich Abenteuerlust und Draufgängertum signalisieren.

Umgekehrt nutzen Werbe- und Marketingstrategen sehr clever und gewinnbringend die Hintertürchen zum Unterbewusstsein eines potentiellen Kunden samt seinen verborgenen oder auch nur halbbewussten Wünschen, Sorgen oder Ängsten. Suggestiv (also von unten einschleichend), subliminal (unterhalb der Wahrnehmungsschwelle) und „subkutan“ (unter der Haut) geschieht dies. Auf der Verpackung finden sich deshalb nicht nur die vorgeschriebenen Informationen (Bestandteile, Haltbarkeit usw.), nein, das ganze D’rum-Herum ist mehr und mehr impertinent angelegt auf „wokeness“. Mit anderen Worten: Das „Framing“ (Umrahmen) eines Produkts heißt „Wokeness“.

Pink und Diversity Washing

Die Kette REWE macht auf „diversity“ und lockt nicht für einzelne Produkte, sondern quasi für das ganze Sortiment mit der Regenbogenflagge. Nicht anders oder zumindest phasenweise und bevorzugt im „Pride Month“ um den Christopher Street Day (CSD) herum sodann die Brillen-Kette Apollo, VW, Lieferando, Booking, die Bahn, Allianz, die Bahn, McDonalds, Microsoft, H&M, Amazon, Banken und viele andere mehr.

Mercedes, BMW und Audi werben für ihre teuersten Fahrzeugtypen mit PoC-Models (PoC = People of Color). Möbelhäuser mit Regenbogenfamilien samt divers-farbigen Mitgliedern. Waschmittelhersteller mit Schauspielern und Sängern, die sich als „pride“ outen („pride“ als Stolz darauf, die Heterosexualität überwunden zu haben). „Pink Washing“ nennt man das durchaus kritisch, auch „Diversity Washing“. Von „Pink Capitalism“ ist sogar in Pride-Kreisen die Rede, weil man annehmen darf, dass das “Pink Washing“ eine Verkaufsmasche ist, um den eigenen Umsatz bzw. Gewinn zu steigern. Stimmt, man prostituiert sich mit einer Haltung, die sich geschäftlich rechnen könnte.

Vor allem aber signalisieren Verkäufer und Käufer Tugendhaftigkeit gar Tugendprahlerei. In den USA wurde dafür der Begriff „Virtue Signaling“ geprägt. Man stellt bestimmte „woke“, politisch korrekte Werte zur Schau. Gleichzeitig vermeidet man Begriffe und Namen wie „Mohr“, „Zigeunersoße“, „Onkel Ben’s Reis“…

Green Washing

Besonders ausgeprägt ist das grüne „Framing“, wenn es um den Verkauf und Gebrauch von Produkten geht, die Rohstoffe und Energie benötigen oder einsparen können, die langlebiger sind und angeblich leichter entsorgt werden können. Ein „grünes“ Label macht sich da gut. Der Nutzer kauft sich grün „gewaschene“ Produkte gern, weil er damit eine Art Ablasshandel betreibt. Er zahlt nämlich damit eine Strafe dafür, dass man ja im Jahr zweimal in den Urlaub fliegt, dass man einen SUV fährt, dass man noch fossil heizt, dass man einen Swimmingpool im Garten hat, dass man einen Zierrasen hat, dass die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren, sondern mit Mamas Transporthelikopter, dass man noch immer nicht vegan ist/isst …. Und schon ist man mit sich im Reinen, kann wieder ein ruhiges Gewissen haben, sich als „in“ und als Mitglied der „woken“ Gemeinde fühlen und vor allem nach außen für ein tugendhaftes Narrativ stehen.

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)

Bild: Tobias Arhelger/Shutterstock

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